Núria Cinca i Luis, Wissenschaftlerin im Bereich Chemie, Material- und Ingenieurswissenschaften, kann als Expertin für den deutsch-spanischen Austausch angesehen werden. Sie hat uns ein Interview gegeben und hat verraten, was sie in Deutschland überrascht hat, welche Tipps sie für Stipendienbewerber hat und wie der Auslandsaufenthalt sie auf persönlicher Ebene verändert hat.

Guten Tag Frau Cinca i Luis. Nach Ihrem Doktorat haben Sie sich auf eine neue Technologie spezialisiert, das Cold Gas Spray. Dafür haben Sie zuerst das Stipendium für Postdoktoranden des DAAD erhalten, um an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg zu forschen. (Danach haben Sie noch ein anderes Stipendium bekommen, das der Alexander von Humboldt Stiftung). Fangen wir ganz von vorne an. Der Auswahlprozess muss sehr hart gewesen sein. Wie haben Sie ihn empfunden?

Guten Tag. Ehrlich gesagt fand ich den Auswahlprozess wirklich sehr schwierig, denn ich musste mein Projekt mit einem ersten Stand der Technik sehr strukturiert vorstellen. Heutzutage verstehe ich viel mehr davon, wie man solche technischen Unterlagen entwickelt und Dokumentationen bereitstellt, aber damals war das etwas ganz Neues für mich.

Ich kann mir vorstellen, dass in Deutschland dann einige Überraschungen auf Sie zukamen. Was ist dort anders im Bereich der Forschung?

Offen gesagt musste ich feststellen, dass es mich in den ersten Tag überrascht hat, wie leicht es ist, die Administration zu bewältigen. In Spanien ist das alles komplizierter. Ich habe auch bemerkt wie sehr die Forschung, im Vergleich zu hier, in Deutschland wertgeschätzt wird.

Inwiefern?

Zum Beispiel gibt es viele öffentliche Finanzierungen, die die Universitäten dabei unterstützen, ihre Forschungsprojekte zu verwirklichen. Dadurch, dass die Mobilität der Studenten so gefördert wird, wird die Zusammenarbeit leichter und neues Wissen wird einfacher generiert. Außerdem sind die Stipendiengelder generell höher, was dann ein größerer Ansporn ist.
All diese Punkte finde ich wirklich ausschlaggebend, denn, wenn man erst einmal Gelder für die Forschung bereitstellt, kann sie viel effizienter in der Industrie angewandt werden, um dann auch zur Wirtschaft des Landes beizutragen. Ich denke, dass der Technologietransfer in Deutschland viel effektiver funktioniert.

In wie weit haben Sie sich persönlich durch den Auslandsaufenthalt weiterentwickelt?

Ich bin der Meinung, dass es einem immer etwas bringt, die eigene Komfortzone zu verlassen, weil man andere Arbeitsweisen und Lebenseinstellungen entdeckt. In meinem Fall haben mich die Auslandsaufenthalte in Deutschland spürbar persönlich verändert. Jedes Problem verschlimmert sich immer um ein Vielfaches, wenn man nicht mehr im gewohnten Umfeld ist, schließlich fühlt man sich gleich viel allein gelassener. Dadurch lernt man aber sich besser zurechtzufinden und wenn wir Fehler machen, lernen wir auch aus ihnen.
Außerdem hat mir die Zeit in Deutschland auch geholfen, Kontakte zu knüpfen. Obwohl ich mich eigentlich als eine schüchterne Person beschreiben würde, war ich trotzdem aktiv. Es war für mich schon immer interessant, neue Leute kennen zu lernen. Tatsächlich habe ich versucht, die Beziehungen nicht nur auf beruflicher Ebene zu erhalten, sondern auch noch persönlich mit den Leuten, die man kennenlernt, in Kontakt zu bleiben. Man darf nicht nur Interesse zeigen, wenn man etwas von Menschen braucht, wenn man will, dass sie einen wirklich wertschätzen.

Welche Tipps würden Sie spanischen Studierenden und Forschenden geben?

Denjenigen, die noch nicht überzeugt sind, nach Deutschland zu gehen, würde ich sagen „Auf geht‘s! Ihr habt nichts zu verlieren. Es handelt sich um eine einmalige Chance“. Ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der sich vieles verändert und die neuen Generationen müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Arbeitsangebot sich nicht nur auf den lokalen Markt beschränkt. Sie sollten auch Arbeit auf einer europäischen und internationalen Ebene suchen.

Das stimmt. Und was würden Sie denjenigen sagen, die sich schon sicher sind, dass eine Zeitlang in Deutschland leben möchten?

Ich würde ihnen sagen, dass sie eine gute Entscheidung getroffen haben, dass sie so weitermachen sollten und dass sie sich nicht von den harten Auswahlprozessen abschrecken lassen dürfen. Es wird Hindernisse geben, aber man muss durchhalten.

Hätten Sie noch konkrete Tipps?

Ich würde dazu raten, so viel wie möglich über die deutsche Kultur und Sprache zu lernen. Ich kenne viele Personen, die es nach ihrem Auslandsaufenthalt geschafft haben, in spanischen Unternehmen mit deutscher Muttergesellschaft eine Stelle zu finden. Dort wird es sehr geschätzt, wenn man Deutsch spricht. Auf alle Fälle ist es auch wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, ob man die Karriere darauf auslegen möchte, in die akademische Forschung oder eher in die Industrie zu gehen. In Spanien gibt es in wenigen Unternehmen Stellenangebote für Leute mit einer zu langen akademischen Laufbahn.

Jetzt sind Sie zurück in Spanien und haben eine Stelle im Unternehmen Hyperion Materials and Technologies in der Abteilung Forschung und Entwicklung. Sie arbeiten an Projekten, um neue Produkte herauszubringen. Dabei sind Sie ständig mit Universitäten in Kontakt. Werden Sie eines Tages zurück nach Deutschland gehen?

In meinem Unternehmen habe ich immer noch Kontakt zu deutschen Forschungsgruppen, vor allem Fraunhofer. Es würde mir nichts ausmachen, noch einmal ins Ausland zu gehen, wenn mich der Aufenthalt bei meiner aktuellen Arbeit weiterbringt. Ich schätze die Beziehung, die ich in diesen Jahren mit der deutschen Kultur geschaffen habe, sehr und ich will sie auf jeden Fall aufrechterhalten.

Vielen Dank für das Interview, Frau Cinca i Luis. Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft und Forschung alles Gute.